Weiterentwicklung des Morbi-RSA

Weiterentwicklung der Morbiditätsparameter im Morbi-RSA: 7 Thesen und Vorschläge

Die Stärkung des Wettbewerbs innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) stellt ein prominentes Ziel der gesundheitspolischen Bestrebungen der letzten Jahre dar. Vor dem Hintergrund der in Deutschland grundsätzlich freien Kassenwahl, stellt der morbiditätsorientierte Risikostrukturausgleich (Morbi-RSA) ein notwendigs Instrument zur Gewährleistung eines fairen Wettbewerbs dar.

Maßgebliches Kriterium des Leistungsbedarfs und damit des Ausgabenrisikos eines Versicherten ist dessen Krankheitslast. Wie diese im derzeitigen RSA erfasst und berücksichtigt werden soll, ist jedoch umstritten. Das WIG2 Institut hat in seinem Diskussionspapier "Weiterentwicklung der Morbiditätsparamter im Morbi-RSA: 7 Thesen und Vorschläge" verschiedene Ansätze sowie Optimierungsmöglichkeiten für die faire Ausgestaltung des Krankenkassen-Finanzausgleichs erarbeitet.

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Zum Download der Publikation "Diskussionspapier zur Weiterentwicklung der Morbiditätsparameter im Morbi-RSA" klicken Sie hier oder auf das nebenstehende Bild
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Thesen und Schlussfolgerungen:


THESE 1: Zur Bewertung des Morbi-RSA und möglichen Anpassungen sollten qualitative Kriterien mindestens ebenso hoch gewichtet werden wie statistische Gütemaße.

Vor dem Hintergrund des Ziels, den Wettbewerb um Versorgungsoptimierung anstelle von Risikoselektion zu fördern, wird auch eine stärkere Orientierung an qualitativen Bewertungskriterien notwendig.

THESE 2: Analysen und Anpassungen des Morbi-RSA sollten auch jenseits der bestehenden Systematik ermöglicht und umgesetzt werden; denn diese hat Schwachstellen.

Trotz einiger Verbesserungen im Rahmen der 2009 eingeführten Morbiditätsorientierung kann weiterhin konstatiert werden, dass systemische Schwächen im Verfahren bestehen, die unter anderem Anreize zu Risikoselektion begünstigen. Es wird daher eine Korrektur dieser Schwächen vorgeschlagen.

THESE 3: Das derzeitige Verfahren der Krankheitsauswahl wirkt sich auf den Krankenkassenwettbewerb aus.

Ein zentraler Aspekt des aktuellen Morbi-RSA-Verfahrens stellt die Auswahl der zu berücksichtigen Erkrankungen dar, welche derzeit auf 80 begrenzt ist. Diese Begrenzung sowie der Auswahlprozess an sich sind indes infrage zu stellen, da unter anderem Wechselwirkungen bei Multimorbiditäten nicht in hinreichendem Umfang berücksichtigt werden.

THESE 4: Ambulante Diagnosen sind nicht das geeignetste Instrument zur Erfassung von Morbidität.

Die namensgebende Morbidität spielt im aktuellen Verfahren des Morbi-RSA eine tragende Rolle. Die Erfassung dieser Erkrankungen stellt indes einen weiteren identifizierten Kritikpunkt dar. In Deutschland erfolgt diese Erfassung maßgeblich über stationäre und ambulante Diagnosen. Wie das WIG2 Institut festgestellt hat und die aktuelle Debatte um Manipulationen verdeutlicht, sollte die Nutzung ambulanter Daten vor allem im internationalen Vergleich infrage gestellt werden. Stattdessen gibt es alternative Verfahren, deren Einbezug in den Morbi-RSA diskutiert werden sollte. Hierzu zählen beispielsweise stationäre Versorgungsdaten sowie Apothekendaten.

THESE 5: Es sollten Anpassungen vorgenommen werden, die die Manipulationsanfälligkeit des Verfahrens verringern.

Das aktuelle Ausgleichsverfahren des Morbi-RSA bietet Ansatzpunkte zur Manipluation. Es wird dargelegt, wie das manipulative Eingreifen in den Wettbewerb möglich ist und welche empirischen Untersuchungen derartige Tendenzen belegen.

THESE 6: Die Hierarchisierung sollte differenzierter nach weiteren klinischen Gesichtspunkten ausgestaltet werden.

Auch für die Ausdifferenzierung und Hierarchisierung des zu berücksichtigenden Krankheitsspektrums gibt es alternative Möglichkeiten, die als Reformoptionen in die aktuelle Diskussion einfließen sollten.

THESE 7: Es existieren bekannte kostenrisikorelevante Faktoren, die im aktuellen Verfahren keine Berücksichtigung finden.

In der Wissenschaft sowie in der internationalen Praxis finden sich erfolgreich angewendete Risikofaktoren, die im aktuellen Verfahren des Morbi-RSA nicht berücksichtigt werden. Insbesondere der sozioökonomische Status, die Regionalität sowie die Pflegebedürftigkeit kristallisieren sich als relevante und umsetzbare Faktoren für den deutschen RSA heraus.

Ihr Ansprechpartner

Für Fragestellungen rund um den Themenbereich Morbi-RSA kommen Sie gerne auf uns zu.

Dr. Dennis Häckl – Institutsleiter & Geschäftsführer

E-Mail: haeckl@wig2.de
Telefon: + 49 341 3929 40-10