EVA64

Evaluierung von Modellvorhaben in der Psychiatrie nach § 64b SGB V

Seit 2015 evaluiert die groß angelegte Studie EVA64 bundesweit 18 Modellvorhaben zur sektorenübergreifenden Versorgung in der Psychiatrie nach § 64b SGB V. Hauptziel dieser Konzepte ist die Verbesserung Versorgung psychisch kranker Menschen. Zudem sollen die dafür benötigten Mittel möglichst ressourcenschonend zum Einsatz kommen. Inwiefern dies gelingt, untersuchen das WIG2 Institut in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Evidenzbasierte Gesundheitsversorgung am Uniklinikum Dresden sowie der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Außerdem sind mehr als 70 Krankenkassen als Auftraggeber und Datenlieferer an dem Forschungsprojekt beteiligt, was es den Evaluatoren ermöglicht, große Mengen an GKV-Sekundärdaten in ihre Betrachtungen einfließen zu lassen. Wirkung, Aufwand und Effizienz der Modellvorhaben – sowohl im Einzelnen als auch insgesamt – können dadurch datenbasiert objektiv geprüft werden. 

Hintergrund

Psychische Erkrankungen sind komplex, sowohl in ihrer Entstehung als auch in ihrem Verlauf. Oftmals dauert es sehr lang, bis Patient:innen eine passende Diagnose und eine darauf aufbauende, angemessene Behandlung bekommen. Bei der Versorgung psychisch Erkrankter müssen die verschiedenen Akteuer:innen eng und effizient zusammenarbeiten. Gerade an Schnittstellen wie dem Übergang von stationärer zu ambulanter Behandlung oder der Betreuung durch unterschiedliche Therapeut:innen kommt es oft zu Koordinations- und Kommunikationsdefiziten. Um die Qualität der Versorgung sowie die Kosteneffizienz im psychiatrischen Bereich zu fördern, bieten die §§ 63 und 64b SGB V seit 2013 einen bundesweit einheitlichen Rahmen zur Weiterentwicklung von Modellvorhaben zur Versorgung psychisch kranker Menschen. EVA64 umfasst die gem. § 65 SGB V vorgeschriebene wissenschaftliche Evaluation dieser Modellvorhaben.

Studienkonzept

Im Zentrum der Studie steht der Mehrwert von „Modellvorhaben zur Versorgung psychisch kranker Menschen“ nach § 64b SGB V. Verbessert sich die Patient:innenversorgung durch neue, sektorenübergreifende Betreuungskonzepte qualitativ? Sind die Behandlungen wirksamer als die aktuelle Regelversorgung, bspw. in Hinblick auf eine Verringerung der Anzahl vollstationäreR Behandlungstage, die Patient:innen in psychiatrischen Kliniken verbringen? Und führen Modellvorhaben insgesamt zu einer kosteneffektiveren Verwendung finanzieller Ressourcen in der psychiatrischen Versorgung? Fragen wie diesen wird im Projekt EVA64 im Rahmen einer routinedatenbasierten, kontrollierten Kohortenstudie nachgegangen. Es werden 18 innovative, interdisziplinär-sektorenübergreifende Versorgungsmodelle zur Behandlung psychisch Erkrankter im Zeitraum von 2015 bis 2025 evaluiert. Alle Analysen beruhen dabei auf longitudinalen Abrechnungsdaten der beteiligten Krankenkassen.

Jedes der Modellvorhaben wird zunächst einzeln innerhalb eines festgelegten Evaluationszeitraums untersucht. Die Interventionsgruppe besteht aus Patient:innen, welche bei einer der teilnehmenden Kassen versichert sind und die aufgrund einer von 16 definierten psychischen Erkrankungen in einem Krankenhaus mit Vertrag gemäß § 64b SGB V behandelt werden oder wurden. Die Kontrollgruppe wird ebenfalls aus Versicherten dieser Kassen gebildet, wobei die Behandlung dieser Patient:innen im Rahmen der Regelversorgung stattfindet bzw. stattfand. Sie werden mittels statistischem Matching in Hinblick auf Soziodemografie und Morbidität der Interventionsgruppe angeglichen. Routinedatenbasiert werden für beide Gruppen primäre und sekundäre Ergebnisparameter untersucht. Dazu zählen unter anderem die Anzahl und Dauer stationärer Aufenthalte, die Häufigkeit und Intensität ambulanter Leistungen und die Verordnung von Medikamenten sowie die Anzahl von Arbeitsunfähigkeitstagen. Weiterhin werden sektorenübergreifende Kontinuität, Abbrüche der Behandlung, Wiederaufnahmeraten und Versorgungskosten geprüft. Über Kosten-Effektivitätsanalysen erfolgt die inkrementelle Ermittlung des Aufwands in Relation zum Nutzen der jeweiligen Modellvorhaben. Mittels Meta-Analyse werden schlussendlich die Ergebnisse der Modellprojekte zusammenfassend betrachtet.

Die umfangreichen Sekundärdaten der involvierten Krankenkassen ermöglichen einen objektiven Vergleich und eine wissenschaftliche Datenanalyse in großer Dimension. Sie helfen damit, evidenzbasierte gesundheitspolitische Entscheidungen darüber zu treffen, ob innovative psychiatrische Modellvorhaben auf die Regelversorgung übertragen werden sollen. Auf diesem Weg leistet EVA64 einen nachhaltigen Beitrag zur Verbesserung der Versorgung psychisch kranker Kinder, Jugendlicher und Erwachsener.

Die wissenschaftliche Leitung des Projektes am WIG2 Institut obliegt Roman Kliemt (links). Daneben arbeiten unsere Kollegen Dr. Dennis Häckl (mitte) und Luong Hoang maßgeblich an dem Projekt. Die Teilprojektleitung am WIG2 Institut erfolgt durch Ines Weinhold (rechts).

Konsortialpartner sind das Zentrum für Evidenzbasierte Gesundheitsversorgung vom Uniklinikum Dresden und die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg.

Insgesamt sind über 70 Krankenkassen beteiligt.

Zeitraum: 2015-2025

Stand: November 2021