PsychCare

Wirksamkeit sektorenübergreifender Versorgungsmodelle in der Psychiatrie – eine prospektive, kontrollierte multizentrische Beobachtungsstudie

Psychische Erkrankungen prägen das Leben der Patient:innen maßgeblich und verursachen im Gesundheitssystem hohe Kosten. Für ihre umfassende medizinische Betreuung wurden verschiedene sektorenübergreifende, patien:innenzentrierte Behandlungskonzepte entwickelt, die über die aktuelle Regelversorgung hinaus gehen. Um die Wirkweisen dieser Modellvorhaben bewerten und deren Übertragbarkeit in die Regelversorgung prüfen zu können, wurde das Innovationsfonds-Projekt PsychCare ins Leben gerufen. Daran arbeiten wir seit Juli 2017 in Kooperation mit dem Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, Medizinische Fakultät, Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie (Konsortialführung), dem Zentrum für Evidenzbasierte Gesundheitsversorgung an der Technischen Universität Dresden, der Medizinischen Hochschule Brandenburg, der Universitätsklinik Würzburg sowie der Universität Magdeburg.

Versorgungsmodell

Eine gute Versorgung, bei der psychisch Erkrankte im Mittelpunkt stehen, basiert bei allen Modellvorhaben auf der Vernetzung verschiedener Sektoren. Stationäre und ambulante Einrichtungen arbeiten eng und interprofessionell zusammen. Dementsprechend wird das Modellvorhaben über die Bildung eines globalen Budgets finanziert, dass Leistungen des stationären Bereichs sowie der Psychiatrischen Institutsambulanz (PIA) umfasst – eine Besonderheit im Vergleich zur bisherigen Regelversorgung.

Studie

Es handelt sich bei PsychCare um eine prospektive, kontrollierte multizentrische Beobachtungsstudie. Auf Basis von Routinedatenanalysen werden Versorgungsmodelle gemäß §64b SGB V hinsichtlich des Nutzens, der Kosten und der Effizienz beurteilt. Mittels Befragungen werden zudem Auswirkungen auf Parameter wie die Lebensqualität, die Behandlungszufriedenheit und die Symptombelastung ermittelt. Über einen Mixed-Methods Ansatz werden die Perspektiven aller Betroffenen, darunter  Patient:innen, Angehörige und medizinisches Personal, berücksichtigt. Aus den Ergebnissen aller erhobenen Daten werden Qualitätsindikatoren für die sektorenübergreifende Versorgung in der Psychiatrie hergeleitet.

Die Informationen der Patient:innen wurden von  Anfang 2018 bis Ende 2020 mit Hilfe von Fragebögen zu drei Befragungszeitpunkten erhoben. Insgesamt haben über 1000 Erkrankte an der Studie teilgenommen. Davon waren zirka die Hälfte aus Kliniken der Modellversorgung. Die andere Hälfte erhielten ihre Versorgung in Kliniken mit Regelbetrieb. Es wurden unter anderem Erwachsene mit einer Suchterkrankung, einer affektiven Störung oder Schizophrenie, Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten sowie Jugendliche und junge Erwachsene mit Essstörungen befragt. Dabei ging es neben medizinischen Aspekten auch um psychosoziale Effekte, etwa im Bereich beruflicher Integration und Arbeitsunfähigkeit sowie um organisatorisch-strukturelle  Auswirkungen, wie der Zufriedenheit mit klinischen Entscheidungsprozessen.

Aktuell  werden die Ergebnisse aus den Modellkliniken mit jenen aus den Kliniken der Regelversorgung verglichen, um herauszufinden, ob sich die Zielparameter, bspw. Lebensqualität der Patient:innen und die Versorgungskosten, unterscheiden. Am Ende soll evidenzbasiert beurteilt werden, ob die untersuchten Behandlungskonzepte für psychisch Erkrankte wirksam und kosteneffektiv sind und für eine Übernahme in die Regelversorgung empfohlen werden können.

Am WIG2 Institut sind unsere Kolleg:innen Tarcyane Garcia (mitte) und Roman Kliemt (links) maßgeblich an dem Projekt beteiligt. Die Teilprojektleitung am WIG2 Institut erfolgt durch Ines Weinhold (rechts).

Die Studie PsychCare wird mit insgesamt 2,2 Millionen Euro vom Innovationsfonds gefördert, startete im Juli 2017 und wird bis Juni 2021 durchgeführt.

Stand: Februar 2021