RemugVplan

RemugVplan – Regionale multisektorale geriatrische Versorgungsplanung

Das Altern unserer Gesellschaft hält für uns vielschichtige Aufgaben bereit – mehr Prävention, mehr Pflegeangebote, mehr typische „Alterserkrankungen“ und somit mehr Kosten für unser Gesundheitssystem. Um Entwicklungen wie diesen mit einer vorausschauenden Planung begegnen zu können, ist im ersten Schritt eine valide Darstellung der Versorgungsstrukturen nötig. Im Rahmen des Innovationsfondsprojekts zur regionalen multisektoralen geriatrischen Versorgungsplanung (RemugVplan) untersuchen wir mit der AOK PLUS die Betreuungssituation für ältere Menschen im Freistaat Sachsen. Nach mehr als zwei Jahren intensiver Forschung, stehen wir nun kurz vor dem Projektabschluss.

Hintergrund

Bis zum Jahr 2060 wird sich die prognostizierte Lebenserwartung für Männer auf 85 Jahre, für Frauen sogar auf 89 Jahre erhöhen (Statistisches Bundesamt). Diese Alterung der Gesellschaft wirkt sich sowohl auf die Anzahl der Neuerkrankungen als auch die Häufigkeit von typischen „Alterserkrankungen“ wie Krebs, Diabetes und Demenz aus. Ältere Patient:innen weisen zudem häufig mehrere, parallele und zunehmend chronische Erkrankungen auf, womit große Einschränkungen in der Lebensqualität und zugleich hohe Kosten für das Gesundheitssystem einhergehen.

Damit ist bundesweit ein weiterhin wachsender Bedarf an Prävention, Gesundheitsförderung, Pflege- und Versorgungsangeboten speziell für ältere Patienten prognostizierbar. Die gesellschaftlichen Herausforderungen sind folglich vielfältig und bedürfen einer nachhaltigen, zielgerichteten Planung in Hinblick auf multisektorale Versorgungsstrukturen. Grundvoraussetzung hierfür ist allerdings eine verlässliche Abbildung der aktuellen Versorgungssituation, verfügbarer Angebote und des Zugangs zu verschiedenen Versorgungsformen für ältere Menschen.

Studienkonzept

Im Rahmen des durch den Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) geförderten Projekts RemugVplan wird der Versorgungsbedarf älterer, geriatrischer Patienten für den Freistaat Sachsen seit Januar 2019 analysiert und prognostiziert.

Hierfür wurde mithilfe eines statistischen Modells basierend auf den Routinedaten der gesetzlichen Krankenversicherung abgebildet, wie hoch der Bedarf an medizinischen und pflegerischen Gesundheitsleistungen durch geriatrische Patienten ist.

Auf diese Weise haben wir bespielweise anhand mehrerer hunderttausend Versichertendatensätze untersucht, wie viel ambulante, stationäre, pflegerische und rehabilitative Leistungskapazität für die Versorgung der Patient:innen in den Regionen erforderlich ist. Anschließend erfolgte ein Abgleich mit den tatsächlich vorhandenen, regionalen Versorgungsstrukturen. Die quantitativen Untersuchungen wurden durch Experteninterviews und Befragungen von Angehörigen qualitativ ergänzt. Anhand einer kleinräumigen Prognose der Bevölkerungs- und Morbiditätsentwicklung werden zudem die lokalen Bedarfe und Strukturen bis zum Jahr 2050 abgeschätzt.

Aktuell befinden wir uns in der Endphase des Projekts und werden die Forschungsresultate im nächsten Schritt mit verschiedenen Vertretern aus dem Bereich Geriatrie diskutieren.

Die Ergebnisse der Analysen und Prognosen fließen in ein interaktives Dashboard ein, das zur sektorenübergreifenden Betrachtung regionaler Versorgungsbedarfe und vorhandener Strukturen dient. Auf dieser Grundlage soll eine zielgerichtete Versorgungsplanung unterstützt und Handlungsempfehlungen für eine Optimierung der aktuellen sowie künftigen Gesundheitsversorgung erarbeitet werden.

Am WIG2 Institut sind unsere Kolleg:innen Christopher Schrey (links), Sandra Stark (mitte) und Josephine Thiesen maßgeblich an dem Projekt beteiligt. Die Teilprojektleitung am WIG2 Institut erfolgt durch Ines Weinhold (rechts).

Das Forschungsvorhaben „RemugVplan – Regionale multisektorale Versorgungsplanung“ des Leipziger WIG2 Instituts in Kooperation mit der AOK PLUS hat eine Förderung über insgesamt 22 Monate im Umfang von insgesamt ca. 400 Tsd. Euro erhalten. Die Informationen zum geförderten Projekt sind hier online auf den Seiten des G-BA und Innovationsfonds abrufbar.

Stand: April 2021