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Analyse der psychischen Krisen- und Notfallversorgung in Bayern – vielfältiges Versorgungssystem, regionale Unterschiede und niedrigschwellige Krisendienste als zentrale Anlaufstellen

Das gewohnte Verhaltens- und Bewältigungssystem ist bei Menschen in einer psychischen Krise durch belastende innere oder äußere Auslöser überfordert. Betroffene müssen so schnell wie möglich zielgerichtete Unterstützung erhalten, um weitere schwerwiegende gesundheitliche Auswirkungen zu vermeiden. Das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention (StMGP), vertreten durch das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), betraute das WIG2 Institut mit einer Analyse, die erstmals einen vertieften und systematischen Überblick über die aktuellen Angebote der psychosozialen und psychiatrischen Krisen- und Notfallversorgung für den Freistaat Bayern verschafft. Diese Bestandsaufnahme gibt eine Einschätzung der aktuellen Versorgungssituation und leitet davon ausgehend Erfordernisse und Handlungsempfehlungen für eine bedarfsgerechte Versorgung ab.

Der Abschlussbericht wurde im Herbst dieses Jahres veröffentlicht.

Vielfältiges Versorgungssystem mit niedrigschwelligen Krisendiensten als zentrale Anlaufstellen

Die Status quo-Analyse basiert auf umfangreichen Recherchen sowie 14 Expert:inneninterviews. Sie identifiziert insbesondere die seit 2021 bayernweit verfügbaren Krisendienste als zentrale Anlaufstellen: rund um die Uhr erreichbar, niedrigschwellig und weithin bekannt. Daneben spielen Sozial- und Gerontopsychiatrische Dienste sowie Beratungsstellen, Telefonseelsorgen und Online-Krisenangebote eine wichtige Rolle – wenngleich deren Zugänglichkeit und Bekanntheit teilweise geringer ausfällt. Weitere zentrale Erstanlaufstellen bilden Hausärzte, Kinderärzte, Psychotherapeut:innen und – schwerer zugänglich – Nervenärzte sowie Kinder- und Jugendpsychiater im vertragsärztlichen Bereich. Für die akute Krisen- und Notfallversorgung psychisch erkrankter Personen sind zudem niedrigschwellig ausgelegte Psychiatrische Institutsambulanzen (PIA) sowie Kliniken für Psychiatrie und Psychotherapie wichtige Anlaufpunkte. Darüber hinaus nannten Expert:innen Rettungsleitstellen und Notfallambulanzen, Selbsthilfegruppen, die ergänzende unabhängige Teilhabeberatung, den kassenärztlichen Bereitschaftsdienst, behördliche Dienste wie Jugendamt oder Polizei, psychosoziale Notfallversorgung, Frauenhäuser sowie die Schulsozialarbeit als relevante Versorgungsleistungen.

Deutliches Stadt-Land-Gefälle bei Verfügbarkeit und Inanspruchnahme

Ergänzend werteten Wissenschaftler:innen des WIG2 verfügbare Sekundärdaten aus, um die Inanspruchnahme verschiedener Versorgungsangebote im Zeitverlauf und im regionalen Vergleich darzustellen. Diese Daten zeigen trotz methodischer Einschränkungen deutliche Unterschiede zwischen den bayerischen Bezirken. Besonders bei den Krisendiensten werden regionale Muster sichtbar: Betroffene aus kreisfreien Städten und deren Umland nutzen die Angebote deutlich häufiger als Menschen aus ländlichen Regionen. Laut Studie unterscheidet sich auch die Verfügbarkeit vertragsärztlicher psychotherapeutischer und psychiatrischer Angebote je nach Region. Lange Wartezeiten und eingeschränkte Erreichbarkeit, etwa durch geringe ÖPNV-Anbindung, erschweren vielerorts eine kontinuierliche Behandlung. Die Expert:innen betonen außerdem ein Stadt-Land-Gefälle bei der Inanspruchnahme professioneller Hilfe, besonders bei älteren Menschen.

Erste Ansätze zur Weiterentwicklung der Versorgungsangebote

Obwohl die Einführung der Krisendienste die Versorgung insgesamt verbessert hat, sieht die Analyse weiteren Handlungsbedarf. Genannt werden vor allem eine systematische regionale und zielgruppenspezifische Erfassung aller relevanten Angebote, der Abbau von Zugangsbarrieren, eine bessere Verzahnung an Schnittstellen im Versorgungssystem sowie mehr Forschung zu Bedarfen und möglichen Versorgungslücken. Auch präventive Ansätze zur Vermeidung psychischer Krisen sollten stärker in den Fokus rücken.