Bei der Verwendung von Diagnosedaten ist eine zuverlässige Kodierung im medizinischen und epidemiologischen Sinne von hoher Priorität. Entsprechend fand in den vergangenen Jahren eine intensive Diskussion statt, die sich mit der Manipulierbarkeit des Ausgleichssystems und der Kodierqualität insbesondere ambulanter Diagnosen beschäftigte.
Da in der Literatur die Berücksichtigung von Arzneimitteln als potenziell manipulationsresistentere Alternative aufgeführt wird, haben WIG2-Wissenschaftler ein alternatives Modell auf Grundlage von Arzneimitteldaten untersucht. Dazu wurde ein bestehendes, auf Pharmakostengruppen (Pharma Cost Groups, PCG) basierendes Modell aus den Niederlanden an deutsche Verhältnisse angepasst und auf einer für die deutsche gesetzliche Krankenversicherung (GKV) repräsentativen Stichprobe simuliert.
Die Ergebnisse zeigen, dass der PCG-Ansatz die ambulanten Diagnosen nicht adäquat ersetzen kann. Eine zusätzliche Integration von PCGs in das bestehende System hingegen verbessert fast alle Kennzahlen und vermindert die Risikoselektionsanreize. Die Untersuchung gibt damit Hinweise darauf, dass Arzneimitteldaten das aktuelle morbiditätsorientierte Modell sinnvoll ergänzen könnten, ohne die Stabilität des Risikostrukturausgleichs zu gefährden.