TeleStrokeRGM – Reifegradmodell für telemedizinische Akutversorgungs-Netzwerke am Beispiel Schlaganfall
Bei einem Schlaganfall zählt jede Minute. Telemedizinische Netzwerke leisten seit Jahren einen wesentlichen Beitrag zur flächendeckenden Akutversorgung. Im Innovationsfondsprojekt TeleStrokeRGM entwickeln wir als Teil eines Forschungskonsortiums mit Wissenschafler:innen aus Dresden und sechs TeleStroke-Netzwerken ein empirisch fundiertes Reifegradmodell, das Erfolgs- und Misserfolgsfaktoren dieser Netzwerke systematisch erfasst – und so die Grundlage für gezielte Qualitätssicherung und nachhaltige Weiterentwicklung schafft.
Bei einem Schlaganfall entscheiden Minuten über Überleben und Folgeschäden. Eine effektive Versorgung erfordert eine reibungslose Rettungskette sowie enge Zusammenarbeit zwischen zertifizierten Stroke-Units und regionalen Krankenhäusern ohne neurologische Notfallspezialisten. Telemedizinische Schlaganfall-Netzwerke übernehmen seit den 2000er Jahren einen wesentlichen Teil dieser Akutversorgung – beispielsweise in ländlichen Regionen, wo spezialisierte neurologische Expertise vor Ort häufig nicht verfügbar ist. Vor dem Hintergrund des wachsenden Fachkräftemangels gewinnt die Weiterentwicklung dieser Netzwerke zusätzlich an Bedeutung.
Ein Reifegradmodell ist für die kontinuierliche, strukturierte Optimierung telemedizinischer Netzwerke besonders gut geeignet: Es erfasst den Status quo systematisch, macht Verbesserungspotenziale sichtbar und zeigt konkret auf, wie die nächste Entwicklungsstufe der Reifegradskala erreicht werden kann.
Das Projekt folgt einem Mixed-Methods-Ansatz. In einem ersten Schritt werden bestehende Reifegradmodelle systematisch auf ihre Übertragbarkeit für TeleStroke-Netzwerke analysiert sowie Erfolgs- und Misserfolgsfaktoren identifiziert. Ergänzt durch Experteninterviews bilden diese Erkenntnisse die Grundlage für einen partizipativen Entwicklungsprozess mit zentralen Akteuren aus Kliniken, Netzwerkkoordination und Versorgungspraxis.
Das Modell wird anschließend in sechs TeleStroke-Netzwerken pilotiert und validiert. Dabei kommen sowohl Primärdaten – Befragungen, Interviews und Fokusgruppen mit relevanten Akteuren – als auch Sekundärdaten in Form von Qualitätssicherungsdaten zu Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität einschließlich Patientenoutcomes zum Einsatz. Als evaluierendes Institut verantwortet WIG2 die wissenschaftliche Begleitung des gesamten Modellentwicklungsprozesses.
Ziel des Projekts ist die Erarbeitung eines praxistauglichen Reifegradmodells, das TeleStroke-Netzwerken eine strukturierte Selbsteinschätzung ermöglicht, Verbesserungspotenziale sichtbar macht und den Weg zum nächsten Reifegrad aufzeigt. Darüber hinaus soll das Modell auf andere telemedizinische Akutversorgungsstrukturen übertragbar sein und so einen Beitrag zur standardisierten Qualitätssicherung in der Telemedizin insgesamt leisten.