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Flexible, integrated, and person-centered psychiatric care through global treatment budgets: results of the multiperspective study PsychCare

Fachartikel, veröffentlicht in "Der Nervenarzt"
Hintergrund Um die fragmentierte psychiatrische Gesundheitsversorgung in Deutschland zu überwinden, wurden flexible, integrierte Modellprojekte (FIT) auf der Grundlage des § 64b des Sozialgesetzbuchs (SGB) V implementiert. Ziele der Arbeit Ergebnisse der prospektiven, modellübergreifenden, kontrollierten, multiperspektivischen/-methodischen Studie „PsychCare“ werden dargestellt und gemeinsam mit den Ergebnissen der Routinedatenauswertung diskutiert. Material und Methoden „PsychCare“ nutzte ein multi- und mixed-methodisches Design. Primärdaten wurden in 18 psychiatrischen Kliniken (n = 10 FIT; n = 8 strukturell ähnliche Kliniken der Regelversorgung (TAU)) zum Studienstart (M-I) und 15 Monate später (M-II) erhoben. Primäre Zielgrößen waren die Behandlungszufriedenheit und die gesundheitsbezogene Lebensqualität. Sekundäre Zielgrößen umfassten Recovery, klinische Entscheidungsfindung, Symptomschwere, Inanspruchnahme von Versorgungsleistungen und Kosten, Beurteilung sektorenübergreifender Versorgung und Angehörigenbelastung. Die partizipative Prozessevaluation untersuchte Prozess, Struktur- und erlebensbezogene Versorgungsmerkmale. Ergebnisse FIT-Patienten (n = 595) berichteten eine signifikant höhere Behandlungszufriedenheit (ZUF-8: 26,3 ± 4,36 vs. 24,9 ± 4,70; p < 0,001) und Recovery (RASR total: 134,0 ± 35,8 vs. 119 ± 54,3; p < 0,001) zu MI verglichen mit TAU-Patienten (n = 555) bei vergleichbarer Symptomschwere. Knapp die Hälfte der Patienten berichtete von einer hohen Zufriedenheit mit der klinischen Entscheidungsfindung (p > 0.05), FIT-Angehörige waren numerisch zufriedener. Die direkten Kosten in FIT waren signifikant geringer. Da die gesellschaftlichen Kosten numerisch geringer und die primären Outcomes zu MI signifikant höher ausfielen, erschien FIT kosteneffektiv. Zu MII blieben die direkten Kosten in FIT signifikant geringer, keine weiteren Gruppenunterschiede wurden festgestellt. Der Versorgungstyp war assoziiert mit dem Umsetzungsgrad von prozess-, struktur- und erlebensbezogenen Versorgungsmerkmalen. FIT-Leistungserbringende benannten entökonomisierte Entscheidungsprozesse und hoben die Kooperation und gemeinsame Ziele mit den gesetzlichen Krankenkassen als zentrale Erfolgsfaktoren für die Umsetzung hervor. FIT verlangte dem Personal mehr Mobilität und Flexibilität ab. Die Verlinkung von primären und Kassendaten gelang. Diskussion „PsychCare“ stellt die erste kontrollierte Evaluation von flexiblen, integrierten Modellprojekten auf der Grundlage des § 64b SGB V dar, welche umfangreiche Daten verschiedener Quellen einbezog. FIT war querschnittlich überlegen in Bezug auf die Behandlungszufriedenheit, Recovery sowie die Zufriedenheit der Angehörigen, Kosteneffektivität deutete sich an. Der langfristige Erfolg von FIT im Vergleich zur Regelversorgung sollte weiter untersucht werden.
Autor:innen
Andrea Pfennig, Bettina Soltmann, Anne Neumann, Martin Heinze, Roman Kliemt, Dennis Häckl, Enno Swart, Fabian Baum, Yuri Ignatyev, Julian Schwarz, Denise Kubat, Ines Weinhold, Tarcyane Barata Garcia, Sebastian von Peter, Jochen Schmitt